„Istanbul ist so teuer geworden.“ Diesen Satz hört man inzwischen überall. Und ja – natürlich stimmt das. Wer Istanbul von vor fünf oder zehn Jahren kennt, merkt den Unterschied bei Restaurants, Hotels, Eintrittspreisen und eigentlich fast überall.

Wo kann man in Istanbul wirklich gut essen? Unsere persönlich getesteten Restaurants, Cafés, Rooftops und kleinen Lokale – von Karaköy bis Kadıköy.
Aber meine Gegenfrage ist mittlerweile: Wo ist es bitte nicht teurer geworden? Auch zuhause kostet ein Stück Kuchen inzwischen teilweise sechs, sieben oder acht Euro. Restaurantbesuche sind teurer geworden, Hotels sowieso, und vom normalen Einkauf brauchen wir gar nicht erst anfangen.
Für mich ist deshalb nicht die Frage: Ist Istanbul beim Essen billig oder teuer? Sondern: Wie entscheidest du, wo du dein Geld ausgibst?
Wir gehen sehr gerne gut essen in Istanbul. Sehr gerne. Und wenn uns ein Restaurant, eine Aussicht, ein Service oder einfach dieses ganz bestimmte Gefühl packt, geben wir dafür auch bewusst Geld aus. Wir waren zum Beispiel bei Nusr-Et in Etiler. Wir lieben Barnathan. Wir gehen auf Rooftops. Und natürlich sitzen wir irgendwann wieder mit diesem berühmten San-Sebastian-Cheesecake vor dem Galataturm.
Aber eben nicht fünfmal am Tag. Unser Tag sieht meistens eher so aus: Frühstück ist Frühstück. Mittags gibt es häufig etwas Kleineres oder etwas, das sich gut in unseren Tag einbauen lässt – Pilav, Lahmacun, Suppe, Döner oder einen Snack. Und entweder mittags oder abends gehen wir richtig essen. Nicht, weil wir uns nichts leisten wollen. Sondern weil wir bewusst auswählen wollen, was uns das Geld wert ist. Wie Essen in eine ganze Reise passt, steht in meinen Tipps für deine Istanbul-Reise.
Du willst schnell ein Restaurant nach Stadtteil finden, mit Preisgefühl auf einen Blick? Dann schau in unseren interaktiven Essen-Guide. Wenn du lieber gleich unsere ganzen Geschichten dazu lesen willst, bist du hier genau richtig.
„Man lebt nur einmal.“
Das ist übrigens der Lieblingssatz meines Mannes im Urlaub. 😂 Ich glaube, ich höre ihn pro Reise ungefähr zwei Millionen Mal. „Sollen wir das wirklich nehmen?“ – Man lebt nur einmal. „Das Restaurant schaut schon teuer aus.“ – Man lebt nur einmal. „Brauchen wir das?“ – MAN LEBT NUR EINMAL.
Es ist seine offizielle Genehmigung, Geld auszugeben, ohne danach ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und manchmal hat er damit sogar recht. Denn Urlaub darf Genuss sein. Nur muss aus „man lebt nur einmal“ nicht automatisch werden: „Wir zahlen jeden Preis, weil wir Touristen sind.“
So suchen wir Restaurants in Istanbul aus
Ich recherchiere meistens vorher. Nicht stundenlang. Aber ich schaue: Speisekarte, Preise, Fotos, Lage, Bewertungen, was die Leute dort essen – und vor allem: Wer sitzt dort? Denn irgendwann entwickelt man seinen eigenen Restaurant-Radar.
Restaurant leer?
Wenn ringsherum alles voll ist und ein Restaurant steht zur normalen Essenszeit komplett leer, dann werde ich skeptisch. Nicht automatisch schlecht. Aber skeptisch.
Voll mit Einheimischen?
Ganz andere Geschichte. Wenn das Lokal aus allen Nähten platzt und vor allem Einheimische dort sitzen: Rein mit dir. 😂 Natürlich ist das keine wissenschaftliche Methode. Aber sie funktioniert erstaunlich oft.
Wo sollte man in Istanbul essen?
Das hängt viel stärker vom Viertel ab, als viele denken. Genau deshalb habe ich unsere Empfehlungen inzwischen nach Stadtteilen getrennt.
Essen in Karaköy & Galata
Karaköy und Galata sind für mich eine perfekte Mischung. Du kannst hier einen Teller Pilav essen, eine Suppe holen, Kebap essen und zwei Stunden später auf einem wunderschönen Rooftop mit Blick auf den Galataturm sitzen. Unsere Favoriten dort sind unter anderem OSES Gurme, Karaköy Çorba Evi, Tarihi Karaköy Pilavcısı, Viyana Kahvesi und Barnathan.
Weiterlesen: Essen in Karaköy & Galata – unsere besten Restaurants
Essen auf der İstiklal & in Beyoğlu
İstiklal ist touristisch. Natürlich. Aber deswegen muss dort nicht jedes Essen schlecht oder vollkommen überteuert sein. Hier findest du bei uns unter anderem Clementine Patisserie, das Turkish-German Bookstore & Cafe, Espressolab, Parole, Dürümle, Piknik Köfte & Piyaz und Hafız Mustafa. Von bosnischem Heimatgefühl bis Baklava-Schaufenster ist wirklich alles dabei.
Weiterlesen: Essen auf der İstiklal & in Beyoğlu
Essen in Kadıköy
Kadıköy ist für mich eines der spannendsten Viertel überhaupt, wenn es ums Essen geht. Hier lohnt sich: schauen, vergleichen, zwei Straßen weitergehen. Es gibt unglaublich viele Lokale, und teilweise liegen zwischen zwei Speisekarten nur wenige Meter – aber große Preisunterschiede. Zu unseren Stopps gehören Hacıoğlu, Gaziantepli Çorbacı Hanifi, Şekerci Cafer Erol, Deniz Yıldızı und HD İskender.
Weiterlesen: Essen in Kadıköy – unsere Restauranttipps
Essen in Sultanahmet, Sirkeci & Eminönü
Hier landet beim ersten Istanbul-Besuch fast jeder: Hagia Sophia, Blaue Moschee, Topkapı, Eminönü, Gewürzbasar. Und natürlich bedeutet das: Touristenpreise existieren. Aber auch hier gibt es Adressen, die wir mögen, zum Beispiel Tarihi Sultanahmet Köftecisi, Loti Restaurant, The Han, Orient Express Restaurant und Tarihi Eminönü Derya Balıkçısı.
Und gerade beim Orient Express Restaurant ist das Essen für mich fast nur die halbe Geschichte. Der Bahnhof. Die Vergangenheit. Die Vorstellung von Menschen, die hier angekommen sind oder Abschied genommen haben. Das hat mich komplett gepackt.
Weiterlesen: Restaurants in Sultanahmet, Sirkeci & Eminönü
Besondere Restaurant-Erlebnisse in Istanbul
Und dann gibt es Restaurants, bei denen es nicht darum geht, möglichst günstig satt zu werden. Sondern um: Heute machen wir genau DAS. Barnathan gehört für mich dazu. Nusr-Et Etiler ebenso. Rooftops. Restaurants mit Geschichte. Besondere Anlässe. Das sind nicht unsere täglichen Restaurantbesuche. Aber genau deshalb bleiben sie im Kopf.
Weiterlesen: Besondere Restaurants & Erlebnisse in Istanbul
Und wenn es besonders günstig sein soll?
Dafür gibt es in Istanbul sogar ein eigenes städtisches Projekt: die Kent Lokantaları, mit einem kompletten warmen Menü für 100 TL – auch für Touristen.
Weiterlesen: Günstig essen in Istanbul – die Kent Lokantaları
Muss man in Istanbul viel Geld für gutes Essen ausgeben?
Nein. Aber man kann. 😂 Und genau das ist eigentlich das Schöne. Du kannst mittags einen einfachen Pilav essen und am Abend ein besonderes Restaurant buchen. Du kannst Lahmacun auf einem kleinen Sessel essen und am nächsten Abend bei Nusr-Et sitzen. Das eine macht das andere nicht schlechter. Für mich entsteht ein guter Istanbul-Trip gerade aus dieser Mischung.
Unser Istanbul-ID Food-Prinzip
Wir empfehlen hier keine Restaurants, weil irgendeine Liste behauptet, dass man dort gewesen sein muss. Die Lokale in unseren Guides haben wir selbst besucht. Und wenn ein Restaurant künftig im Rahmen einer Kooperation vorgestellt wird, kennzeichnen wir das transparent. Unsere Meinung bleibt trotzdem unsere Meinung. Denn am Ende möchte ich nur Restaurants empfehlen, bei denen ich selbst sagen würde: Da würde ich noch einmal hingehen.
Häufige Fragen
Ist Essen in Istanbul teuer geworden?
Ja, spürbar – genau wie fast überall sonst auch. Trotzdem gibt es in Istanbul weiterhin die ganze Bandbreite, von sehr günstig (zum Beispiel den städtischen Kent Lokantaları) bis zu bewusst besonderen, teureren Restaurants.
Braucht man in Istanbul viel Geld, um gut zu essen?
Nein. Ein einfacher Pilav oder Lahmacun kann genauso ein Highlight sein wie ein besonderes Restaurant. Wir mischen bewusst beides.
Wie findet man gute Restaurants in Istanbul?
Wir schauen vorher Speisekarte, Preise, Lage und Bewertungen an – und vor allem, wer dort sitzt. Ein Lokal voller Einheimischer ist für uns fast immer ein gutes Zeichen.
Welches Stadtviertel eignet sich am besten zum Essen gehen?
Das hängt vom Anlass ab: Karaköy & Galata für Abwechslung und Rooftops, Kadıköy für Auswahl und lokales Leben, Sultanahmet für die Nähe zu den Sehenswürdigkeiten, und für besondere Anlässe schauen wir gezielt nach Orten wie Barnathan oder Nusr-Et.
Alle in diesem Guide persönlich beschriebenen Restaurants haben wir selbst besucht. Kooperationen oder bezahlte Platzierungen werden transparent gekennzeichnet. Unsere persönliche Meinung bleibt davon unabhängig.
– Amra




