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Süreyya Operası: 1927 als Opernhaus gebaut, achtzig Jahre fast nie als Oper genutzt – und dann doch noch zu seinem ursprünglichen Zweck zurückgekehrt

Die Geschichte der Süreyya Operası klingt fast wie eine Pointe der Architekturgeschichte. Süreyya İlmen Paşa wollte Kadıköy in den 1920er-Jahren ein modernes Theater- und Opernhaus schenken. Er reiste durch Europa, studierte berühmte Bühnen und ließ an der Bahariye Caddesi ein prachtvolles Gebäude errichten. 1927 wurde es eröffnet. Nur eines fehlte: eine vollständig funktionsfähige Opernbühne mit den notwendigen Nebenräumen.

Süreyya Operası: 1927 als Opernhaus gebaut, achtzig Jahre fast nie als Oper genutzt – und dann doch noch zu seinem ursprünglichen Zweck zurückgekehrt
Foto: A.Savin (FAL), via Wikimedia Commons
Süreyya İlmen Paşa wollte Kadıköy in den 1920er-Jahren ein modernes Opernhaus schenken. 1927 eröffnet, fehlte jedoch die vollständige Bühnentechnik – also wurde daraus jahrzehntelang ein Kino, bis das Haus 2007 endlich als Oper eröffnete.

Statt Oper wurde das Haus deshalb vor allem Kino. Generationen von Kadıköy-Bewohnern kannten es als Süreyya Sineması. Erst nach einer umfangreichen Restaurierung wurde der ursprüngliche Traum tatsächlich verwirklicht. 2007 eröffnete das Gebäude als Opernhaus neu – ungefähr achtzig Jahre nachdem Süreyya Paşa genau das ursprünglich beabsichtigt hatte.

Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Süreyya İlmen Paşa ließ das Haus ab 1924 bauen.
  • Es wurde am 6. März 1927 eröffnet.
  • Ziel war ein modernes Theater-, Operetten- und Gesellschaftshaus für Kadıköy.
  • Die Bühnentechnik war jedoch nicht vollständig genug für regulären Opernbetrieb.
  • Das Gebäude wurde deshalb jahrzehntelang hauptsächlich als Kino genutzt.
  • 1950 ging es unter bestimmten Bedingungen an Darüşşafaka.
  • Nach einer großen Restaurierung eröffnete es 2007 endlich als vollwertiges Opernhaus.

Wer Süreyya İlmen Paşa war

Süreyya İlmen war Militär, Politiker, Unternehmer und eine bekannte Persönlichkeit der frühen Republik. Er interessierte sich stark für die Modernisierung Kadıköys und investierte privates Geld in öffentliche beziehungsweise halböffentliche Projekte.

Sein Opernhaus war deshalb kein staatlicher Monumentalbau. Ein einzelner wohlhabender Bürger wollte seinem Stadtteil eine kulturelle Einrichtung geben, die mit europäischen Großstädten mithalten konnte. Diese private Initiative unterscheidet Süreyya deutlich von vielen anderen repräsentativen Kulturgebäuden der Zeit.

Warum Kadıköy ein Theater brauchte

In den 1920er-Jahren wuchs Kadıköy schnell. Die asiatische Seite besaß zunehmend eine gebildete städtische Mittelschicht, aber große Theater- und Veranstaltungsräume konzentrierten sich stärker auf die europäische Seite. Wer hochwertige Aufführungen sehen wollte, musste häufig den Bosporus überqueren.

Süreyya Paşa wollte das ändern. Das Gebäude sollte nicht nur Theater bieten, sondern auch Konzerte, Bälle, gesellschaftliche Veranstaltungen und andere Kulturformen aufnehmen. Es war als modernes soziales Zentrum gedacht.

Europäische Vorbilder

Süreyya Paşa reiste durch Europa und besichtigte Theater. Die Gestaltung des Gebäudes übernahm verschiedene Einflüsse. Besonders der Foyerbereich erinnert an das Théâtre des Champs-Élysées in Paris, während der Zuschauerraum auch deutsche Theatertraditionen aufnimmt.

Art-déco-Elemente, Reliefs, Fresken und vergoldete Dekorationen zeigen den internationalen Geschmack der jungen Republik. Das Gebäude wollte modern und europäisch wirken, ohne eine bloße Kopie eines einzigen Hauses zu sein.

Eröffnung 1927

Am 6. März 1927 öffnete das Süreyya-Gebäude. Für Kadıköy war es ein gesellschaftliches Ereignis. Das Haus sollte Operette, Theater, Konzerte und Bälle ermöglichen. Seine Fassade und Innenräume machten deutlich, dass Kultur hier bewusst repräsentativ inszeniert wurde.

Doch architektonischer Glanz löst technische Probleme nicht automatisch. Hinter der schönen Bühne fehlten wichtige Funktionsräume und Einrichtungen.

Warum dort keine Oper gespielt wurde

Für Oper benötigt man mehr als einen Zuschauerraum und einen Vorhang. Künstler brauchen Garderoben, Kulissen müssen bewegt werden, ein Orchester braucht Platz, Bühnentechnik muss komplexe Abläufe ermöglichen. Genau diese Infrastruktur war nicht vollständig vorhanden.

Deshalb fanden die geplanten Operettenaufführungen nicht im vorgesehenen Umfang statt. Theater war möglich, aber die große musikalische Bühnenvision blieb unerfüllt. Das ist fast tragikomisch: Ein Opernhaus steht da, doch es kann seinen Namen jahrzehntelang nicht wirklich einlösen.

Vom Operettentheater zum Kino

Das Kino war technisch leichter zu betreiben und wurde in den 1930er-Jahren immer populärer. 1930 erhielt Süreyya die Ausrüstung für Tonfilm und entwickelte sich zunehmend zum Süreyya Sineması. Für Generationen wurde das Gebäude deshalb vor allem mit Filmerlebnissen verbunden.

Das ist kein „Scheitern“ im einfachen Sinn. Das Haus blieb kulturell lebendig, nur anders als geplant. Kinos waren im 20. Jahrhundert zentrale soziale Orte, und Süreyya wurde Teil der Erinnerung vieler Kadıköy-Familien.

Darüşşafaka und die Schenkung

Süreyya İlmen übertrug das Gebäude an die Bildungsstiftung Darüşşafaka, wobei kulturelle Nutzung eine wichtige Bedingung blieb. Nach seinem Tod beziehungsweise dem seiner Frau gingen die wirtschaftlichen Rechte vollständig an die Stiftung über.

Damit bekam ein privates Bauprojekt eine gemeinnützige Zukunft. Gleichzeitig erschwerte die Eigentums- und Nutzungsstruktur spätere Umbauten, bis eine langfristige Vereinbarung mit der Stadt Kadıköy zustande kam.

Restaurierung 2005–2007

Kadıköy Belediyesi mietete das Gebäude langfristig und begann eine umfassende Restaurierung. Dabei wurden historische Dekorationen konserviert, spätere störende Eingriffe entfernt und endlich jene technischen Einrichtungen geschaffen, die ein modernes Opernhaus braucht: Orchestergraben, Garderoben, Bühnentechnik, Klima- und Sicherheitssysteme.

Süreyya Operası: 1927 als Opernhaus gebaut, achtzig Jahre fast nie als Oper genutzt – und dann doch noch zu seinem ursprünglichen Zweck zurückgekehrt
Foto: Mark Ahsmann (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

2007 wurde das Haus als Süreyya Operası wiedereröffnet. Damit erfüllte sich Süreyya Paşas ursprüngliche Idee mit acht Jahrzehnten Verspätung.

Das Haus heute

Heute ist Süreyya eine wichtige Spielstätte für Oper und Ballett auf der asiatischen Seite. Gleichzeitig bleibt die Kinovergangenheit Teil seiner Identität. Restaurierung hat also nicht versucht, die achtzig Jahre dazwischen auszulöschen.

Wer das Haus besucht, erlebt eine Architektur, die 1927 modern sein wollte und heute gerade wegen ihres historischen Charakters geschätzt wird. Das ist eine schöne Ironie von Moderne: Was einmal „neu“ sein sollte, wird irgendwann Denkmal.

Mythos oder Fakt?

„Seit 1927 fanden hier regelmäßig Opern statt.“ Falsch. Wegen unzureichender Bühnentechnik wurde das Haus überwiegend als Kino genutzt.

„Die Stadt Kadıköy baute das Haus ursprünglich.“ Nein. Initiator und Bauherr war Süreyya İlmen Paşa.

„Es ist ein moderner Neubau, der nur alt aussieht.“ Nein. Der historische Bau wurde restauriert und für heutige Nutzung angepasst.

„Kadıköy hatte kulturell immer nur kleinere Bedeutung als Beyoğlu.“ Zu pauschal. Süreyya zeigt, wie bewusst die asiatische Seite eigene moderne Kulturinstitutionen entwickelte.

Eine Oper für das moderne Kadıköy

Die Süreyya Operası entstand in den 1920er-Jahren in einer Zeit, in der die junge Türkische Republik kulturelle Modernisierung stark betonte. Ihr Stifter Süreyya İlmen wollte auf der asiatischen Seite einen repräsentativen Ort für Theater, Musik und gesellschaftliche Veranstaltungen schaffen.

Damit bekam Kadıköy ein Kulturhaus, das sich an europäischen Vorbildern orientierte und zugleich Teil der neuen republikanischen Stadtkultur wurde.

Die Idee war ambitioniert: Nicht nur Beyoğlu sollte Theater und große Veranstaltungshäuser besitzen.

Süreyya İlmen und sein Projekt

Süreyya İlmen war Militär, Politiker und Unternehmer. Er investierte in soziale und kulturelle Projekte und wollte mit dem Gebäude einen dauerhaften Beitrag für Kadıköy schaffen.

Die Architektur nahm Einflüsse verschiedener europäischer Häuser auf. Besonders Foyer und Innenausstattung erinnern an Theater- und Opernarchitektur der Zeit.

Der Name Süreyya blieb dadurch dauerhaft mit Kadıköy verbunden.

Warum dort anfangs kaum Oper gespielt wurde

Die heutige Bezeichnung „Oper“ kann täuschen. Das Haus war ursprünglich zwar für Theater- und Opernaufführungen gedacht, technische und organisatorische Bedingungen führten aber dazu, dass es lange stärker als Kino und Veranstaltungssaal genutzt wurde.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Gebäude manchmal anders leben als ihre Planer es vorgesehen haben.

Erst viel später wurde die Opernfunktion systematisch wiederbelebt.

Kinozeit und Alltagskultur

Über Jahrzehnte war das Süreyya ein wichtiger Kinostandort. Für viele Kadıköyer war das Gebäude deshalb weniger „hohe Oper“ als Teil persönlicher Alltags- und Jugenderinnerungen.

Kino gehörte im 20. Jahrhundert zu den wichtigsten Formen städtischer Unterhaltung.

Der Wandel vom Theaterprojekt zum Kino und später zurück zur Oper spiegelt die kulturellen Veränderungen der Stadt.

Restaurierung und Wiedereröffnung

Im frühen 21. Jahrhundert wurde das Gebäude umfassend restauriert und als Opernhaus neu eröffnet.

Süreyya Operası: 1927 als Opernhaus gebaut, achtzig Jahre fast nie als Oper genutzt – und dann doch noch zu seinem ursprünglichen Zweck zurückgekehrt
Foto: Basak (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons
Süreyya Operası: 1927 als Opernhaus gebaut, achtzig Jahre fast nie als Oper genutzt – und dann doch noch zu seinem ursprünglichen Zweck zurückgekehrt
Foto: Sakhalinio (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

Dabei musste man historische Ausstattung erhalten und gleichzeitig moderne Bühnen-, Sicherheits- und Veranstaltungstechnik integrieren.

Solche Restaurierungen sind immer Balanceakte. Ein Opernhaus kann nicht wie ein stillgelegtes Museum behandelt werden; es muss akustisch, technisch und sicher funktionieren.

Architektur im Detail

Die Fassade ist elegant, aber besonders interessant wird der Innenraum. Treppen, Leuchten, dekorative Wandflächen und Foyerbereiche erzeugen eine Atmosphäre, die sofort in die Zwischenkriegszeit verweist.

Wer nur draußen ein Foto macht, bekommt deshalb nur die Hälfte.

Wenn eine Veranstaltung passt, lohnt es sich, das Haus wirklich in Nutzung zu erleben.

Kadıköy als Kulturzentrum

Heute besitzt Kadıköy eine starke Theater-, Musik- und Kulturszene. Süreyya ist ein historischer Anker dieser Entwicklung.

Das Viertel ist nicht nur Essen, Bars und Markt. Es hat Bühnen, Buchhandlungen, Kinos und Kunstorte.

Genau diese Mischung macht die asiatische Seite kulturell eigenständig.

Oper als republikanisches Symbol

Die Förderung westlicher klassischer Musik war Teil republikanischer Kulturpolitik. Oper, Ballett und Konservatorien sollten moderne nationale Kultur mit internationalen Kunstformen verbinden.

Das Süreyya-Haus passt in diese größere Geschichte, auch wenn seine eigene Opernnutzung erst später vollständig verwirklicht wurde.

Warum das Gebäude zu Kadıköy passt

Ich mag an Süreyya, dass man mitten in diesem lebendigen, lauten Kadıköy plötzlich vor einem Gebäude steht, das fast elegant die Schultern zurücknimmt und sagt: Ja, wir können auch Oper.

Und danach gehst du drei Straßen weiter und stehst wieder zwischen Restaurants, Geschäften und Menschenmengen.

Genau diese Mischung macht das Viertel aus.

Mein Gedanke zu diesem Ort

Ich liebe diese Geschichte, weil sie so menschlich ist. Da baut jemand mit großen Plänen ein Opernhaus, und dann merkt man: Es fehlt ausgerechnet das, was man für eine richtige Oper braucht. Also wird daraus jahrzehntelang ein Kino.

Und achtzig Jahre später kommt jemand und sagt praktisch: Gut, dann machen wir jetzt endlich das daraus, was es 1927 schon werden sollte. Manchmal brauchen gute Ideen offenbar einfach ein bisschen länger.

– Amra

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