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Büyükada und die Prinzeninseln: Verbannte Prinzen, Holzvillen, Strände und warum du für diesen Ausflug wirklich früh losfahren solltest

Die Prinzeninseln wirken auf der Karte klein. Genau deshalb macht man schnell den Fehler, sie auch zeitlich klein einzuplanen. Ein bisschen Fähre, kurz aussteigen, Essen, zurück – fertig. Bei Büyükada funktioniert das nicht besonders gut. Schon die Anreise ist Teil des Ausflugs, und auf der Insel selbst merkt man schnell, dass „Büyük“ nicht zufällig im Namen steckt. Sie ist die größte der neun Inseln des Archipels und hat genug Straßen, Villen, Kirchen, Aussichtspunkte, Restaurants und Strände, um einen ganzen Tag zu füllen.

Büyükada und die Prinzeninseln: Verbannte Prinzen, Holzvillen, Strände und warum du für diesen Ausflug wirklich früh losfahren solltest
Foto: Starliner (CC BY-SA 3.0), via Wikimedia Commons
Die Prinzeninseln wirken auf der Karte klein. Genau deshalb macht man schnell den Fehler, sie auch zeitlich klein einzuplanen. Bei Büyükada funktioniert das nicht besonders gut.

Die Bezeichnung „Prinzeninseln“ ist historisch keineswegs romantisch gemeint. Byzantinische Kaiser nutzten die Inseln über Jahrhunderte als Verbannungsorte für Prinzen, Kaiserinnen, Patriarchen und andere politisch gefährliche Personen. Wer vom Hof entfernt werden sollte, konnte hier in Klöstern isoliert werden. Später entwickelten sich die Inseln zu Sommerorten wohlhabender griechischer, armenischer, jüdischer und muslimischer Familien. Heute treffen genau diese Schichten aufeinander: byzantinische Verbannung, osmanische Villenkultur, moderne Ferieninsel und Istanbuler Tagesausflug.

Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Der Archipel besteht aus neun Inseln.
  • Die vier bekanntesten und regulär stark bewohnten beziehungsweise besuchten Inseln sind Büyükada, Heybeliada, Burgazada und Kınalıada.
  • Sedef Adası ist kleiner und teilweise privat geprägt; weitere kleine Inseln sind nur sehr eingeschränkt beziehungsweise nicht regulär bewohnt.
  • Der Name „Prinzeninseln“ erinnert an byzantinische Verbannungen von Mitgliedern der Herrscherfamilie und anderen politischen Gegnern.
  • Büyükada ist die größte Insel und braucht deutlich mehr Zeit, als viele Tagesbesucher erwarten.
  • Klassische Pferdekutschen wurden nach Tierschutzproblemen abgeschafft; heute verkehren elektrische Fahrzeuge.
  • Im Sommer gibt es mehrere Strände und Badeanlagen.
  • Die Fährfahrt aus zentralen Istanbuler Bereichen kann je nach Linie und Stopps deutlich über eine Stunde dauern. Wer den Tag nutzen will, sollte morgens starten.

Wie viele Prinzeninseln gibt es?

Die Adalar bestehen aus neun Inseln im Marmarameer südöstlich des Istanbuler Zentrums: Büyükada, Heybeliada, Burgazada, Kınalıada, Sedef Adası, Yassıada, Sivriada, Kaşık Adası und Tavşan Adası.

Nicht alle funktionieren wie klassische bewohnte Ferieninseln. Büyükada, Heybeliada, Burgazada und Kınalıada besitzen dauerhafte Siedlungen, Fähranleger, Geschäfte und ein deutliches Alltagsleben. Sedef ist kleiner und stärker privat geprägt. Yassıada wurde stark umgebaut und als Demokratie- und Freiheitsinsel neu gestaltet. Sivriada, Kaşık und Tavşan sind wesentlich kleiner und nicht mit einem normalen Stadtviertel vergleichbar.

Deshalb ist die Aussage „alle neun Inseln sind normale bewohnte Ausflugsinseln“ falsch.

Welche Inseln sind heute bewohnt?

Büyükada ist das Zentrum des Archipels und besitzt die größte Bevölkerung. Heybeliada ist ebenfalls stark bewohnt und bekannt für das historische orthodoxe Priesterseminar auf dem Hügel. Burgazada wirkt kleiner und ruhiger, während Kınalıada wegen ihrer Nähe zur Stadt besonders schnell erreichbar ist.

Sedef Adası besitzt Häuser und saisonale Nutzung, ist aber wesentlich kleiner und teilweise privat organisiert. Die übrigen Inseln erfüllen andere Funktionen oder sind weitgehend unbewohnt.

Für einen ersten Besuch ist Büyükada deshalb logisch. Wer danach wiederkommt, sollte unbedingt auch die kleineren Inseln ausprobieren, weil sie jeweils eine andere Atmosphäre haben.

Warum heißen sie Prinzeninseln?

Der Name klingt zunächst romantisch, hat aber einen ziemlich harten historischen Hintergrund. In byzantinischer Zeit wurden Mitglieder der Kaiserfamilie, Thronrivalen, gestürzte Herrscher und andere hochrangige Personen wiederholt auf Inseln im Marmarameer verbannt. Entfernung vom Hof bedeutete Sicherheit für den jeweils Regierenden. Ein Prinz, der in Konstantinopel Unterstützer sammeln konnte, war eine Gefahr; auf einer Insel ließ er sich wesentlich leichter kontrollieren. Manche Verbannte wurden in Klöstern untergebracht, andere geblendet oder gezwungen, ein religiöses Leben anzunehmen.

Auch nach dem Ende des Byzantinischen Reiches blieb die Inselgruppe ein besonderer Rückzugs- und Wohnraum. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich immer stärker zu einem Sommerziel wohlhabender Istanbuler, besonders griechischer, armenischer, jüdischer und levantinischer Familien. Die großen Holzvillen, Gärten und Kirchen, die heute das Bild von Büyükada und anderen Inseln prägen, gehören wesentlich zu dieser späteren Epoche. Der Name erinnert also an Verbannung, während die Architektur oft von Ferien, Wohlstand und kosmopolitischem Leben erzählt.

Die Inselgruppe besteht aus neun Hauptinseln beziehungsweise Inselchen. Dauerhaft bewohnt und für Besucher besonders relevant sind Büyükada, Heybeliada, Burgazada und Kınalıada. Sedef Adası ist kleiner und teilweise privat geprägt beziehungsweise saisonal genutzt; weitere Inseln wie Yassıada, Sivriada, Kaşık Adası und Tavşan Adası haben ganz andere Funktionen oder sind nicht als normale Wohninseln erschlossen. Wer von „den Prinzeninseln“ spricht, meint im touristischen Alltag deshalb meist die vier großen bewohnten Inseln.

Büyükada ist, wie der Name schon sagt, die größte. Und sie ist größer, als man sich bei „kleiner Insel vor Istanbul“ vielleicht vorstellt. Wer nur am Fähranleger aussteigt, im ersten Restaurant isst und wieder zurückfährt, sieht nur einen sehr kleinen Ausschnitt. Straßen steigen ins Inselinnere, historische Villen stehen zwischen Bäumen, Klöster und Aussichtspunkte liegen deutlich weiter oben, und im Sommer kommen Strandbereiche hinzu. Gerade deshalb lohnt sich ein früher Start.

Je nach Abfahrtsort, Verbindung und Zwischenstopps kann die Anreise deutlich über eine Stunde dauern; mit Umwegen oder langsameren Verbindungen fühlt sich der Weg schnell wie ein halber Vormittag an. Für mich gilt deshalb: lieber vormittags losfahren und nicht erst nach dem Mittag überlegen, ob man noch „kurz auf die Insel“ fährt. Vor allem die Rückfahrt sollte man vorher im Blick haben. Fähren fahren zwar regelmäßig, aber Fahrpläne ändern sich saisonal und nicht jede Verbindung fährt bis spät in die Nacht.

Im Byzantinischen Reich waren Inseln ideale Verbannungsorte. Sie lagen nah genug an Konstantinopel, um kontrollierbar zu bleiben, und weit genug entfernt, um eine politisch gefährliche Person aus dem Machtzentrum zu entfernen.

Prinzen, Kaiserinnen, ehemalige Kaiser, Patriarchen und hohe Beamte wurden hier in Klöstern festgehalten. Manche mussten ins Kloster eintreten, andere wurden geblendet oder anderweitig politisch unschädlich gemacht, bevor sie verbannt wurden.

Der heutige romantische Name hat also einen ziemlich düsteren Hintergrund. Für viele Menschen bedeutete eine Reise auf diese Inseln nicht Ferien, sondern das Ende ihrer politischen Karriere – manchmal auch ihres freien Lebens.

Büyükada: die größte Insel

Büyükada bedeutet schlicht Große Insel. Und ja: Wenn man aus der Fähre steigt und glaubt, alles in zwanzig Minuten zu Fuß gesehen zu haben, merkt man relativ schnell, dass der Name ernst gemeint ist.

Rund um den Fähranleger liegen Restaurants, Cafés und Geschäfte. Dahinter ziehen sich Straßen mit historischen Holzvillen den Hang hinauf. Weiter oben wird es grüner, und Wege führen zu Aussichtspunkten und religiösen Orten.

Die Insel ist groß genug, dass man sich vorher überlegen sollte, was man wirklich sehen möchte. Einfach ziellos loszugehen ist schön – kann aber bedeuten, dass man am Nachmittag feststellt, dass das eigentliche Ziel noch ziemlich weit entfernt ist.

Holzvillen und Sommergesellschaft

Die großen Holzhäuser gehören zu den stärksten Bildern der Prinzeninseln. Viele entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als wohlhabende Familien die Inseln als Sommerresidenz nutzten. Holz erlaubte elegante Erker, Veranden und dekorative Fassaden, war allerdings brandgefährlich und pflegeintensiv. Deshalb befindet sich nicht jede Villa heute in gutem Zustand. Manche sind liebevoll restauriert, andere wirken fast wie Kulissen einer vergangenen Gesellschaft.

Büyükada und die Prinzeninseln: Verbannte Prinzen, Holzvillen, Strände und warum du für diesen Ausflug wirklich früh losfahren solltest
Foto: Abdullah Muashi from Jeddah, KSA (CC BY 2.0), via Wikimedia Commons

Gerade diese Häuser erzählen von einem Istanbul, das religiös und sprachlich vielfältiger war, als heutige Vorstellungen oft vermuten lassen. Griechische, armenische, jüdische und muslimische Familien verbrachten Sommer auf den Inseln, während Kirchen, Synagogen, Moscheen und Klöster nebeneinander existierten. Die Inseln waren keine konfliktfreie Utopie, aber sie zeigen sehr deutlich, wie kosmopolitisch die Stadtgesellschaft einmal zusammengesetzt war.

Auch deshalb lohnt es sich, auf Büyükada nicht nur nach Strand und Restaurant zu suchen. Ein Spaziergang durch die Wohnstraßen ist fast ein Freilichtmuseum der späten osmanischen und frühen republikanischen Sommerarchitektur. Und genau da merkt man, dass die Insel nicht „klein“ im Sinn von in zwanzig Minuten erledigt ist.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelten sich die Inseln zu beliebten Sommerorten wohlhabender Istanbuler Familien. Griechen, Armenier, Juden und Muslime ließen Villen errichten und verbrachten die heißen Monate außerhalb der dichten Stadt.

Viele der berühmten Holzhäuser stammen aus dieser Zeit. Einige sind hervorragend restauriert, andere verfallen sichtbar. Diese Mischung macht den Reiz aus, zeigt aber auch ein Denkmalschutzproblem. Große Holzbauten sind teuer zu erhalten und extrem brandgefährdet.

Die Villen erzählen von einer kosmopolitischen Istanbuler Gesellschaft, die im 20. Jahrhundert durch politische Krisen, Vertreibungen und Auswanderung stark verändert wurde.

Das griechische Waisenhaus

Auf Büyükada steht eines der größten historischen Holzgebäude Europas: das Prinkipo Greek Orthodox Orphanage. Ursprünglich war es Ende des 19. Jahrhunderts als Luxushotel geplant, wurde jedoch nie in dieser Form betrieben. Stattdessen diente es ab dem frühen 20. Jahrhundert als griechisch-orthodoxes Waisenhaus.

Das riesige Gebäude steht seit Jahrzehnten weitgehend leer und verfällt. Gerade seine Dimension macht den Zustand spektakulär und traurig zugleich.

Es ist kein „verlassenes Geisterhotel“, wie manche Social-Media-Beiträge behaupten. Seine tatsächliche Geschichte als Waisenhaus ist interessanter und gesellschaftlich bedeutender als jede erfundene Horrorstory.

Aya Yorgi und der Weg nach oben

Auf dem höchsten beziehungsweise einem der höchsten Punkte Büyükadas liegt das Kloster Aya Yorgi. Besonders an bestimmten orthodoxen Festtagen pilgern tausende Menschen hinauf.

Der letzte Anstieg ist steil. Wer im Hochsommer unterwegs ist, sollte Wasser dabeihaben und den Weg nicht unterschätzen. Oben wird man mit einem weiten Blick über Marmarameer und Inseln belohnt.

Die Wallfahrt ist auch deshalb bemerkenswert, weil nicht ausschließlich orthodoxe Christen teilnehmen. Menschen unterschiedlicher religiöser Hintergründe verbinden mit dem Ort Wünsche und Hoffnungen. Das ist ein weiteres Beispiel für die religiösen Überschneidungen, die es in Istanbul immer wieder gibt.

Kutschen, Pferde und die neue Mobilität

Büyükada war lange für Pferdekutschen bekannt. Autos waren stark eingeschränkt, und die Faytons gehörten zum klassischen Bild der Insel.

Hinter der romantischen Kulisse standen jedoch erhebliche Tierschutzprobleme. Krankheiten, schlechte Haltungsbedingungen und der Tod zahlreicher Pferde führten zu wachsender Kritik. Schließlich wurden die Kutschen abgeschafft.

Heute verkehren elektrische öffentliche Fahrzeuge. Manche Besucher vermissen das alte Bild, für die Tiere war die Veränderung jedoch ein wichtiger Schritt.

Strände und Baden

Im Sommer kann man auf mehreren Prinzeninseln baden. Büyükada besitzt verschiedene Strandclubs und kleinere Badebereiche. Die Qualität und Preise unterscheiden sich, deshalb lohnt sich vorherige Recherche.

Wer nur wegen historischer Sehenswürdigkeiten kommt, unterschätzt leicht, dass die Inseln für Istanbuler seit Generationen auch klassische Sommer- und Badeorte sind.

Essen: nicht gleich ins erste Restaurant

Direkt beim Fähranleger wartet eine große Auswahl an Restaurants. Die Lage am Wasser ist wunderschön, aber natürlich bezahlt man diese Lage teilweise mit.

Ich würde nicht automatisch in das erste Restaurant gehen, nur weil man gerade hungrig von der Fähre steigt. Einmal kurz Bewertungen und aktuelle Preise anschauen lohnt sich. Die Unterschiede sind nicht immer riesig, aber etwas weiter innen findet man oft ebenfalls sehr gute Lokale und teilweise angenehmere Preise.

Gerade bei Fisch sollte man vorher klären, wie abgerechnet wird und welchen Preis das gewünschte Gericht hat. Das erspart später Diskussionen.

Büyükada und die Prinzeninseln: Verbannte Prinzen, Holzvillen, Strände und warum du für diesen Ausflug wirklich früh losfahren solltest
Foto: Marina Sydorenko (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons
Büyükada und die Prinzeninseln: Verbannte Prinzen, Holzvillen, Strände und warum du für diesen Ausflug wirklich früh losfahren solltest
Foto: Abdullah Muashi from Jeddah, KSA (CC BY 2.0), via Wikimedia Commons

Wie lange braucht man wirklich?

Je nach Abfahrtsort, Fährtyp und Zwischenstopps kann die Anreise deutlich über eine Stunde dauern. Langsamere Linien mit mehreren Inselstopps brauchen entsprechend länger. Mit Hin- und Rückfahrt ist schnell ein beträchtlicher Teil des Tages weg.

Deshalb mein Rat: vormittags losfahren, lieber früher als später. Wer erst am Nachmittag startet, sieht am Ende mehr Fähre als Insel.

Und ganz wichtig: Rückfahrzeiten im Blick behalten. Besonders außerhalb der Hauptsaison oder am Abend fahren nicht alle Linien so häufig, wie man es aus dem Zentrum gewohnt ist.

Heybeliada, Burgazada und Kınalıada: warum jede Insel anders wirkt

Wer nach Büyükada denkt, er habe damit „die Prinzeninseln erledigt“, verpasst viel. Heybeliada ist grüner und ruhiger, besitzt mit dem orthodoxen Priesterseminar auf dem Hügel eine der wichtigsten Bildungsinstitutionen der griechisch-orthodoxen Geschichte Istanbuls. Das Seminar wurde 1971 geschlossen; seine mögliche Wiedereröffnung ist seit Jahrzehnten ein religiös-politisches Thema.

Burgazada ist kleiner und mit dem Schriftsteller Sait Faik Abasıyanık verbunden, dessen ehemaliges Wohnhaus heute Museum ist. Die Insel wirkt vielerorts weniger monumental als Büyükada und gerade deshalb entspannter.

Kınalıada liegt der Stadt am nächsten und besitzt weniger Wald, dafür eine dichte Sommerbebauung. Sie war historisch ebenfalls Verbannungsort; besonders bekannt ist der byzantinische Kaiser Romanos IV. Diogenes, der nach seiner Niederlage bei Manzikert und den anschließenden Machtkämpfen geblendet und auf eine Insel verbannt wurde.

Diese Unterschiede sind der Grund, warum ich die Inseln nicht einfach unter „ein Tagesausflug“ abhaken würde. Jede hat eine eigene Geschichte und ein anderes Tempo.

Religiöse Vielfalt auf den Inseln

Die Sommergesellschaft der Inseln war über lange Zeit religiös gemischt. Orthodoxe Kirchen, armenische Kirchen, Synagogen und Moscheen gehörten zu verschiedenen Gemeinschaften. Besonders im späten Osmanischen Reich und frühen 20. Jahrhundert waren die Inseln ein beliebter Rückzugsort wohlhabender Minderheitenfamilien aus Istanbul.

Diese Vielfalt ist bis heute an Gebäuden und Friedhöfen sichtbar. Gleichzeitig ist die demografische Realität eine andere als vor hundert Jahren. Viele griechische und jüdische Familien verließen die Stadt im 20. Jahrhundert. Die Architektur blieb teilweise zurück, während die ursprünglichen Gemeinschaften kleiner wurden.

Ein Inselspaziergang ist deshalb auch ein Spaziergang durch die Geschichte des kosmopolitischen Istanbul – nur ohne den Verkehrslärm des Zentrums.

Warum man den Fahrplan wirklich ernst nehmen sollte

Fähren zu den Inseln sind öffentlicher Verkehr, aber sie funktionieren nicht wie eine Metro, die alle paar Minuten kommt. Linien unterscheiden sich nach Betreiber, Saison, Wochentag und Insel. Manche Verbindungen fahren direkt, andere halten nacheinander an mehreren Inseln.

Das kann wunderschön sein, wenn man Zeit hat. Wenn man am Abend einen fixen Termin in Istanbul hat, kann dieselbe gemütliche Route plötzlich stressig werden. Deshalb ist der Fahrplan nicht irgendein organisatorisches Detail, sondern Teil der Tagesplanung.

Auch Wetter kann eine Rolle spielen. Starker Wind und Seegang beeinflussen den Fährverkehr stärker als eine Straßenbahn. Wer im Winter fährt, sollte zusätzlich damit rechnen, dass vieles ruhiger und manche saisonale Gastronomie geschlossen ist.

Mythos oder Fakt?

„Die Prinzeninseln heißen so, weil dort die osmanischen Prinzen Urlaub machten.“ Falsch. Der Name hängt vor allem mit byzantinischen Verbannungen hochrangiger Personen zusammen.

„Auf Büyükada fahren gar keine Fahrzeuge.“ Nicht mehr korrekt. Private Verbrenner sind stark eingeschränkt, es gibt aber elektrische öffentliche Fahrzeuge und notwendige Servicefahrzeuge.

„Alle neun Inseln sind normal bewohnt und per Stadtfähre gleich gut erreichbar.“ Nein. Nur ein Teil besitzt reguläres städtisches Alltagsleben und häufige Fährverbindungen.

Mein Gedanke zu diesem Ort

Die Prinzeninseln finde ich wunderschön – und beim ersten Mal unterschätzt man sie komplett. Man hört „Insel“, denkt automatisch klein, steigt auf Büyükada aus und merkt dann: Aha. Büyük heißt wohl wirklich groß.

Ich würde den Ausflug unbedingt am Vormittag starten. Die Fahrt gehört zwar dazu und ist wunderschön, aber je nach Verbindung bist du lange unterwegs. Wenn du dann erst spät ankommst, willst du essen, ein bisschen schauen, vielleicht noch zum Strand oder weiter hinein – und plötzlich musst du schon wieder an die Rückfahrt denken.

Direkt am Hafen gibt es wirklich viele Restaurants. Nicht sofort auf den ersten freien Stuhl fallen. Kurz Bewertungen ansehen, Preise vergleichen und vielleicht auch ein paar Straßen weitergehen. Am Wasser ist es natürlich wunderschön, aber du bezahlst die Lage mit. Weiter innen kann es genauso gut und günstiger sein.

Und dann diese Geschichte: Heute fahren wir freiwillig dorthin, machen Fotos, essen, gehen baden und wollen möglichst lange bleiben. Byzantinische Prinzen wurden dorthin geschickt, weil sie aus Konstantinopel verschwinden sollten. Gleicher Ort, vollkommen anderes Gefühl.

Im Sommer kann man wirklich schön entspannen und baden. Aber ich sage es nochmal, weil ich mich selbst kenne: Schaut nach, wann eure Fähre zurückfährt. Sonst wird aus dem romantischen Inseltag sehr schnell „Okay und wie kommen wir jetzt eigentlich heim?“

– Amra

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